DIE KUBANISCHEN RHYTHMUSINSTRUMENTE
CLAVES: Wir kennen sie als Klanghölzer. Es sind zwei runde Hartholzstücke, etwa 15 bis 20 cm lang. Heute gibt es auch Claves aus Kunststoff, die lauter tönen als diejenigen aus Holz. Ein guter Klang verlangt eine bestimmte Haltung. Der eine Stab liegt locker in der gekrümmten linken Hand. Den andern Stab fasst man zuäusserst mit möglichst wenig Druck mit der rechten Hand. Weil Holz lebendig ist, klingen die Claves bei vertauschten Stäben anders. Ebenso klingt jedes Clavespaar anders. Das sollte man bei einem Kauf bedenken und aus mehreren Paaren auswählen. Mit den Claves schlägt man einen immer gleichbleibenden Rhythmus, den man bei allen lateinamerikanischen Tänzen anwendet. Er sieht so aus:

GUIRO (Gurke): Die Gurke besteht aus einem ausgehöhlten Kürbis. Sie hat zwei Löcher für die Finger und ein grösseres Klangloch. In den Körper werden Rillen eingeritzt. Darüber fährt man mit einem dünnen Stab und erhält so ein Schrappgeräusch. Lautstärke und Höhe des Geräusches kann man mittels Druck und Geschwindigkeit der Stabbewegung verändern.
Das Guiro kommt im Cha-Cha-Cha, Mambo und Rumba vor, im Bolero hingegen nicht.
MARACAS: Auch Maracas wurden ursprünglich aus Kürbis angefertigt. Wenn man einen bestimmten Kürbis reif pflückt und dann trocknen lässt, zieht sich das Fruchtfleisch zusammen. Den Kernen passiert aber beim Trocknen nichts, und sie können sich im so entstandenen Hohlraum frei bewegen.
Heute werden Maracas aus Holz, Kokosnüssen, Leder oder Plastik gebaut. Gefüllt werden sie mit Bohnen, Reis oder anderen Hülsenfrüchten.
Maracas kommen in allen Tänzen vor.
Maracas sollten auch im leisen Bereich ansprechen. Bei durchgehenden Rhythmen bewegt man beide Hände gleich.
Maracas werden heute auch in der Kunstmusik eingesetzt. So werden etwa ganz feine und präzise Einsätze verlangt. Dafür nimmt man nur ein Maracas, hält es waagrecht und schlägt damit gegen die andere Hand, die still bleibt und nur hinhält. Wirbeln kann man, indem man zwei Maracas schüttelt oder indem man sie gegen unten hält und das Handgelenk locker dreht.
COWBELL: Das sind kleine Kuhglocken in Treichelform, natürlich ohne Klöppel. Man nimmt sie so in die Hand, dass die Öffnung zum Publikum gekehrt ist und dass man dämpfen kann, indem man die Glocke mit der Hand fester umschliesst. Man spielt sie mit Kleinen Trommel-Schlägeln. Man sollte aber nicht die teuersten Schlägel nehmen, denn das Instrument ist viel härter als der Schlägel, und deshalb geht der Schlägel schnell kaputt. Man schlägt über die Kante oder im selteneren Fall mit der Schlägelspitze auf die Glocke. Die Cowbell tönt sehr laut und eignet sich für alle Tänze ausser den feinen Bolero.
QUIJADA / VIBRASLAP: Ursprünglich aus einem Eselkiefer (Quijada) gebaut, kennen wir nur noch die moderne Version, das Vibraslap. Der Hohlkörper ist der Resonanzraum.

Der Metallbügel ist beweglich, und deshalb federt die Kugel über längere Zeit hin. Es entsteht ein Schnarrgeräusch. Mit dem Vibraslap spielt man keine Rhythmen, man schlägt und lässt es ausklingen. Es ist ein im Cha-Cha-Cha verlangter Effekt.
BONGO: Bongos kommen nur paarweise vor. Die Bongos sind die klanghöchsten Fellinstrumente der lateinamerikanischen Handtrommeln. Man klemmt die Bongos zwischen die Knie. Das Fell, ein Natur- oder Plastikfell, muss über den Rand reichen und etwas weiter unten befestigt werden, eben weil es von Hand gespielt wird. Es sollte stimmbar sein.
Unsere Schlagzeuger spielen Bongos oft mit Schlägel, seien es Kleine Trommel-Schlägel oder kleine Filzschlägel. Wenn aber mit den Händen gespielt wird, gibt es eine Vielfalt von verschieden klingenden Schlägen. Man kann mit der flachen Hand über die Kante und aufs Fell oder nur aufs Fell schlagen, kann mit der ganzen Hand oder nur mit den Fingern spielen, kann mit der einen Hand dämpfen, während die andere spielt oder kann einen einzelnen Schlag sofort dämpfen, indem man die Schlaghand auf dem Fell lässt.
Das Bongo wird in allen kubanischen Tänzen gebraucht.
CONGA: Congas sind afrikanische Trommeln. Die Bauweise war früher einfach: Man höhlte einen Baum aus, spannte ein Fell darüber und erhielt so ein tiefklingendes Trommelinstrument. Das Fell wurde verschnürt oder angenagelt. Heute spannt man es mit einem Spannreifen. Auch hier muss die Kante frei und das Fell stimmbar sein. Es gibt drei Arten von Congas, die sich in der Grösse unterscheiden: Die grosse Tumba, das Conga und das kleine Quinto. So wie wir das Conga einsetzen übernimmt es die Grundschläge, währenddem die Bongos für feine Figurierungen verantwortlich sind. Deshalb wird auch das Conga in allen kubanischen Tänzen eingesetzt.

TIMBALES: Timbales sind unten geöffnete Metalltrommeln. Sie kommen nur paarweise vor. Ursprünglich war ihre Bauweise verwandt mit derjenigen der Kesselpauke. Im Französischen nennt man unsere Kesselpauken "timbales" und zeigt so heute noch den Bezug zwischen den beiden Instrumenten.
Timbales brauchen spezielle Schlägel, die den Kleinen Trommel-Schlägeln ähnlich sind. Im Gegensatz zu diesen sind sie aber über die ganze Länge hin gleich dick. Timbales werden oft mit Cowbells kombiniert oder das eine anstelle des andern verwendet. Sie kommen in allen kubanischen Tänzen vor.
Ich möchte einmal die Möglichkeiten, die das Schlagzeugregister oder eine Rhythmusgruppe hat, aufzeigen. Als Beispiel wähle ich den Cha-cha-cha. Ich habe zwei verschiedene Notenvorlagen. Die Kubaner selbst brauchen natürlich keine Noten. Uns werden die Tänze und die dazugehörenden Rhythmen nicht in die Wiege gelegt. Deshalb brauchen wir Noten. Man muss sich aber bewusst sein, dass die Kubaner auf einem Instrument nicht das ganze Stück hindurch den gleichen Rhythmus spielen. Nur der Clavesrhythmus lässt keine Veränderungen zu. Das bedeutet für uns, dass wir nicht allzu stur mit den Noten umgehen müssen.
Das Cowbell, das in der Drumstimme notiert ist, kann von einem weiteren Schlagzeuger gespielt werden, nicht unbedingt vom Drumer. Der Cha-ha-Cha im vorausgehenden Notenbeispiel wird also von sechs Schlagzeugern begleitet.

Das zweite Beispiel einer Cha-Cha-Cha-Begleitung:

Diese zweite Begleitung umfasst ein grösseres Instrumentarium. Es wird zugleich ein Fingersatz vorgeschlagen, und man sieht auch, welche Schläge gedämpft sein sollen und welche nicht.
+ ist gedämpft, o offen. Ein kleines s steht für slap, einen besonders fitzenden Schlag. Bei dieser Version, ohne das kombinierte Schlagzeug, braucht man sieben bis neun Leute, dafür tönt es "kubanischer“.