DIE KESSELPAUKEN
Die Kesselpauken gehören zur Familie der Trommeln. Der Volksmund bringt die "Familienverhältnisse" oft durcheinander, weil er die Grosse Trommel "Pauke" nennt. Die Kesselpauke ist aber eine eigenständige Instrumentenfamilie. Das Wesentliche ist, dass die Pauke als einziges Trommelinstrument eine bestimmte Tonhöhe hat und zu den Melodieinstrumenten gezählt wird.
Im frühen Altertum kannten viele Völker die Pauke. Ursprünglich war der Kessel aus Ton oder Holz, überzogen mit einem durch Verschnürung gespannten Fell. Die ersten Pauken gelangten während den Kreuzzügen (bis zum 13. Jahrhundert) nach Europa (Spanien). Es waren sehr kleine schalenförmige Pauken der Araber, sogenannte "Naggarah". Diese klangen trommelartig und verschwanden wieder, sie sind aber heute noch im islamischen Kulturkreis in Gebrauch. Das Ursprungsland der Urahnen unserer Pauken lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen - sie gelangte 1457 im Gefolge einer magyarischen
Gesandtschaft von Ungarn nach
Lothringen, wo sie grosses Aufsehen erregte. Auch diese Pauken besassen noch die orientalische Fellschnürung.
Im 16. Jahrhundert wurde die
komplizierte Verschnürung durch
Fellspannung mit Schrauben und
Reifen ersetzt. Die erste Pauke, die man umstimmen kann, nennt man
Barockpauke. Es ist nicht möglich, diese Pauke während eines Musikstückes
umzustimmen, denn es müssen alle Schrauben gedreht werden. In Deutschland wurden Pauken zunächst bei den höfischen Zeremonien und bei den Festlichkeiten der Ritter verwendet. Sehr bald wurden sie aber zusammen mit den Trompeten zum privilegierten Instrument der Kavallerie. Ihre Spieler gehörten wie die Trompeter einer besonderen Zunft an. Zur Renaissancezeit wurden die Pauken in der Kunstmusik noch nicht verwendet und auch noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts waren die Pauken, wie überhaupt sämtliche Schlaginstrumente, noch von ganz untergeordneter Bedeutung für die Kunstmusik.
Praetorius verlangt in seiner "Polyhymnia" (1619) Trompeter und Heerpauker. Im Orchester Bachs und Händels wurden sie dann schon mit wichtigen Aufgaben betreut. Zu grosser Bedeutung gelangten sie schliesslich im klassischen Orchester, doch wurden sie hier ausschliesslich zur Unterstützung und Verstärkung der Hauptakkorde der Tonart, also in Tonika und Dominante gestimmt, verwendet. Diese Tatsache ist dadurch zu erklären, dass die Pauken noch durchwegs mit Naturhörnem und Naturtrompeten kombiniert wurden, die in ihren tiefen Registern nur über Tonika und Dominante verfügten. Daneben spielten auch die "Heerpauken“ weiterhin eine grosse Rolle.
Die Pauken konnten damals zwar durch einen Ring- und Schraubenmechanismus umgestimmt werden, doch wurde ein Umstimmen während des Spielens in jener Zeit noch nicht verlangt. Erst die Erfindung der Ventile für die Hörner und die Trompeten förderte die Chromatisierung des Orchesters, dies im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts. Zwangsläufig wurde dadurch ein schneller Stimmungswechsel während des Spielens notwendig. Die grundlegende Idee zur Lösung dieses Problems ist ein zentrales Gewinde, das durch einen Hebel bedient wird. Der Münchner Hofpauker Gerhard Kramer machte 1812 Studien dazu und der Wiener Hans Schneller verwirklichte sie mit dem Bau der sogenannten Kurbelpauke.
Sie ermöglicht ein schnelles Umstimmen. Man braucht aber die Hände dazu und kann somit nicht während des Spielens umstimmen.
Stumpff in Amsterdam konstruierte 1821 eine Drehpauke, bei der das zentrale Schraubengewinde durch Drehen des Kessels betätigt wurde. Diese Pauken sind bei uns häufig, aber auch hier ist ein Umstimmen während des Spielens fast unmö-glich. Man kann die Pauke zwar mit den Knien drehen, aber nur wenn sie einen guten Stand hat, sonst dreht die ganze Pauke samt den Füssen. Grosse Intervalle sind auf diese Weise nicht umzustimmen.
Die Drehpauke hat zwei grosse Nachteile:
1 . Man dreht den ganzen Kessel samt Fell, d.h. man spielt nach dem Umstimmen nicht mehr am selben Ort des Felles wie vorher, weil der Schlagfleck mitdreht. Bei Natur-fellen ist das verheerend, denn die Tatsache, dass ein Naturfell nicht überall gleich dick ist, kann man wohl bei der Grossen Trommel ausnutzen, bei einer Kesselpauke aber sollte der Klang immer gleich bleiben.
2. Die Drehpauke hat keine Begrenzung zum Lösen. Wenn man genug weit dreht, trennt man den Kessel vom Fuss. Wenn man tiefe Töne einstimmen muss, hat das zur Folge, dass die Pauke so locker wird, dass Fell und Spannreifen Spiel haben. Auf diese Weise ist die Abnützung sehr gross, die Pauke altert rasch, und sie verstimmt sich, wenn das Fell verschoben wird, auf alle Fälle sofort.
Zum Transport sollte die Pauke hochgedreht und arretiert werden, damit sie nicht von alleine drehen kann.
Das System der heute üblichen Pedalpauke, bei der die zentrale Spannfunktion durch ein Pedal ausgeübt wird, wurde vom Dresdener Musiker Pifthch gegen 1872 ersonnen. Pedalpauken sind auch heute noch das Modernste: Gleichzeitig spielen und umstimmen wird in neueren Kompositionen sogar einbezogen, z.B. als Glissando.
Wegen den verschiedenen Bauarten habe ich Geschichte und Bauweise der Pauke ein bisschen kombiniert, es stehen aber noch Anmerkungen aus, die bei allen Pauken gleich bleiben.
Die beiden mittleren Pauken haben einen Durchmesser von 65 und 72 cm. Der Ton-umfang der kleineren geht von B bis f, derjenige der grösseren von F bis c. Bei einem Vierersatz misst die kleinste 58 cm und geht von es bis b, die grösste misst 80 cm und geht von D bis A. Die Qualität der Pauken hat einen Einfluss auf ihren Tonumfang. Die Kessel bestehen aus Kupfer, Messing, Fiber oder Aluminium. Zuunterst im Kessel befindet sich ein Luftloch, welches asynchrone Luftschwingungen verhindert.
Die Obertonreihe setzt sich aus einer ungefähren Oberquinte und ungefähren Oberoktave und vielen nicht harmonischen Obertönen zusammen. Das ergibt den typischen Klangcharakter.
Notiert werden Pauken im Bassschlüssel bei ihrem wirklichen Klang.
Kesselpauken klingen etwa 3 bis 5 Sekunden nach. Deshalb unterscheidet man Anschlagton und Nachklang. Stimmt eine Pauke in sich schlecht, fällt das vor Allem im Nachklang auf (man hört das, wenn man sie ringsherum leicht anschlägt und verschieden hohe Töne erzeugt). Es ergibt einen Mischklang aus leicht unterschiedlichen Tonhöhen und tönt unrein. Ist die Pauke gut gestimmt, klingt der Anschlagton eines sehr lauten Tones tiefer als der Nachklang. Einstimmen muss man von unten nach oben, also man geht immer zuerst unter den Zielton. Kommt man von oben, gibt das Fell nach den ersten Schlägen nach und verstimmt sich. Wenn der Ton beim Einstimmen nur ein wenig zu hoch ist, kann man ihn nach unten korrigieren, indem man das Fell mit dem Handballen nach unten drückt. Die meisten Pauken besitzen eine Anzeige. Diese muss man vor jedem Spielen einstellen, denn jedes Fell verzieht sich durch äussere Einflüsse wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Hat man ein Stück mit viel Pausen, sollte man auch zwischendurch immer wieder kontrollieren, ob sich die Pauke nicht verstimmt hat. Ein Pauker muss ein gutes Gehör haben. Es gibt zwar Stimmgeräte, die nur auf den Paukenton ansprechen, aber ein Gerät merkt z.B. nicht, wenn sich die Intonation der Bläser verändert.
Bei der Kesselpauke kennt man nur die Parallelhaltung, d.h. beide Arme haben dieselbe Haltung. Der Schlägel ist die Verlängerung des Armes. Grundsätzlich spielt man aus dem Handgelenk, je nach Lautstärke kommen Unter- und Oberarm dazu. Der Schlagfleck ist eine Handbreite vom Rand entfernt, weil es hier am besten klingt. In die gleiche Bewegung des Schlages gehört das Weggehen vom Fell. Bleibt der Schlägel zu lange auf.dem Fell, dämpft er den Ton. Dies gilt für alle Instrumente, die mit Schlägeln geschlagen werden. Der Nachklang wird je nach Notenwert von Hand abgedämpft.
Kommen nur kurze Töne oder beklagt sich der Dirigent über den Nachklang, welcher rhythmische Passagen oft verschwommen macht, kann man ein Nastuch oder einen Dämpfer auf die Pauke legen, je nach Grad der erwünschten Dämpfung an den Rand oder gegen die Mitte.
Paukenschlägel haben verschieden grosse und harte Filzköpfe und meistens einen Bambusstiel. Nur im Extremfall oder für Barockmusik benötigt man Holzschlägel.
Es gilt zwei Faustregeln zu beachten:
1 . Je rhythmischer eine Stelle, desto härter die Schlägel. Das heisst, weiche Schlägel eignen sich für Wirbelpassagen oder getragene Schläge, denn der Anschlagton wird wohl weicher, der Ton wird aber lange nachklingen. Ein mittlerer Schlägel eignet sich für Wirbel und rhythmische Stellen, ein harter Schlägel eignet sich am wenigsten für Wirbel, weil man die einzelnen Töne gut hört.
2. Je kleiner die Pauke ist, desto kleiner muss der Schlägel sein.
Diese Faustregeln sind normalerweise einzuhalten. Je nach Geschmack des Spielers, dem Stil des Stückes oder dem Ausdruck einer Stelle können sie aufgehoben werden.
Hier nun eine Darstellung, auf der die wichtigsten in der Blasmusik gebräuchlichen Instrumente vorkommen:
