DIE GROSSE TROMMEL

 

 

Für die Geschichte der Trommel möchte ich weiter ausholen, denn die Trommel-instrumente gehören zu den ältesten Musikinstrumenten, und viele Fellinstrumente sind daraus entstanden. Ihre Entstehung kann bis in die Steinzeit verfolgt werden. Man fand tönerne Gefässe wie Becken, in denen man z.T. noch die Eindrücke der Zickzack-Fellspannung erkennen kann. Im frühen Altertum dienten Trommeln in den Hochkulturen (Ägypter, Hebräer, Griechen, Araber und Römer) zu kultischen Zwecken und wurden meist von Frauen geschlagen. Je nach Kulturgut unterschied sich die Befestigung des Felles. Es wurde übergestreift, genagelt, geschnürt oder eingeklemmt. Die äussere Form wurde vom vorhandenen Material bestimmt. Im westeuropäischen Mittelalter ist die kleine Trommel schon zu Beginn des 13. Jahrhunderts zu finden, und zwar als Begleitinstrument zur sogenannten „Einhandflöte“, einer kleinen Schnabelflöte mit zwei oder drei Tonlöchern. Der Spieler hielt die Trommel unter dem Arm geklemmt und spielte mit der linken Hand die Flöte, während er mit der rechten Hand die Trommel mit einem Klöppel anschlug (siehe Bild). Im späten Mittelalter wurde die Trommel grösser und klangstärker gemacht und besonders von den Schweizer Söldnern als Militärinstrument gebraucht. Zusammen mit der Querflöte (der „Schweitzerpfeiff“) wurde sie das typische Instrument des Fussvolkes in der Kriegsmusik der Landsknechte aller Länder (Spielmannszüge mit „Trommel und Pfeifern“). Diese sogenannte „Rührtrommel“ (Wirbeltrommel) war bis zu einem Meter breit. In Südfrankreich entwickelte sich im Mittelalter die besonders hohe und schmale Röhrentrommel (Tambourin de Provence).

Im 18. Jahrhundert begann man, den bisher aus Holz bestehenden Zylinder der Trommel (die „Zarge“) aus Messing zu fertigen und seine Höhe zu verringern. Durch nochmalige Verringerung der Höhe und durch das Anbringen der Spann-schrauben an Stelle der früher zum Spannen der Felle dienenden Trommelleine (auch heute noch bekannt) entstand im 19. Jahrhundert schliesslich die heutige kleine Trommel mit ihrem hellen und infolge der Verwendung der sogenannten „Schnarrsaiten“ durchdringenden Klang. Daneben entwickelte sich etwa um 1780 durch Übernahme der in der damaligen „Janitscharenmusik“ üblichen Türkentrommel die Grossform der Trommel, die zunächst einer vergrösserten Wirbeltrommel glich. Sie wurde nach türkischer Art mit horizontaler Zarge getragen oder auf einen Untersatz gestellt und das dadurch senkrecht verlaufende Fell mit einem grossen Schlegel mit Filzkopf gespielt (siehe Abbildung unten). Diese Grosse Trommel setzte bereits Mozart in seiner „Entführung aus dem Serail“ ein, jedoch als Spezialinstrument zur Charakterisierung der Janitscharen. Zum regulären Instrument machte sie erst Spontini in seinem Triumpfmarsch „Vestalin“. Die anfängliche Form der Grossen Trommel wurde im 19. Jahrhundert so verändert, dass die Zarge kürzer und weiter wurde.

In den Blasorchestern ist die Grosse Trommel von grosser Bedeutung. Einmal in klang-stilistischer Hinsicht bei Konzertwerken sowie in der Marschmusik, wo sie fast aus-schliesslich zur Markierung der schweren Taktteile dient.

Nun etwas zur Bau- und Spielweise: Grosse Trommeln sind verschieden gross. Der Durchmesser variert zwischen 60 - 90 cm, die Tiefe zwischen 20 - 60 cm. Je grösser das Luftvolumen ist, desto tiefer und klanglich besser wird das Instrument. Die Grosse Trommel sollte tiefer sein als die Kesselpauken, nämlich zwischen C und F. Auch in der Art der Fellspannung unterscheiden sich die Trommeln. Eher veraltet ist das System der Seilspannung. Die Felle sind schlecht stimmbar und verziehen sich schnell. Nach dem Spielen muss man die Felle spannen, vor dem Spielen jedoch wieder lösen, damit der Klang tiefer wird. Es ist äusserst schwierig, eine Trommel mit Seilspannung zu stimmen. Meistens sind die Instrumente nicht sehr gross und geben daher nie einen idealen Klang ab.

Wie stimmt man überhaupt eine Grosse Trommel? Man sollte den tiefstmöglichen Ton suchen, ohne dass das Fell flattert. Fürs Feinstimmen schlägt man die Trommel rings-herum in Randnähe an und kontrolliert, ob der Ton bzw. das Geräusch bei jeder Schraube oder Spannstelle gleich klingt.

Die Schraubenspannung löste die Seilspannung ab. Bei der einfachen Schrauben-spannung sind die Schrauben durchgehend, also sind beide Felle gleich gespannt. Somit können sie nicht einzeln gestimmt werden. Solche Trommeln brauchen einen Dämpfer, weil gleichgespannte Felle gleich schwingen, sich die Schwingung nicht aufhebt oder bremst und deshalb viel zu lange nachklingt.Am besten sind Trommeln mit doppelter Schraubenspannung, wenn jedes Fell einzeln gestimmt werden kann. Hier stimmen wir das Resonanzfell (das Fell, das nicht angeschlagen wird) etwas höher als das Schlagfell. Dadurch bremsen sich die Schwingungen der beiden Felle. Der Ton bleibt unbestimmt, weil es keine Querschwingungen gibt. Eine Grosse Trommel zeichnet sich dadurch aus, dass die Tonhöhe nicht genau bestimmt werden kann, im Gegensatz zu den Kesselpauken.

Am schönsten klingen Naturfelle. Sie reagieren aber auf Luftfeuchtigkeit und Temperatur und müssen deshalb immer wieder gestimmt werden. Kein Naturfell ist überall gleich dick. Ein guter Spieler nützt das aus, indem er für jede Schlagart die beste Anschlagstelle sucht. Er merkt schnell, wo ein kurzer trockener Schlag oder wo ein pompöser Soloschlag am Besten klingt. Neben dem Naturfell gibt es auch Kunstfelle aus Plastik. Diese sind zwar wartungsfrei, klingen aber immer nach Kunststoff. Ein Mittelweg ist das sogenannten Ölfell. Dieses Fell besteht aus zwei Plastikschichten mit einer Öllage dazwischen. Dadurch wird es träge, und es klingt dumpf mit wenig Nachhall.

Ein vielseitiger Spieler besitzt mehrere Schlägel für die Grosse Trommel. Der Allroundschlägel hat einen Durchmesser von 5 bis 10 cm. Er hat einen harten Kern und ringsum weicheren Filz. Je kleiner der Kopf ist, desto höher klingt das Instrument. Normalerweise spielt man in der Mitte des Felles. Der Schlägelstiel sollte beim Aufschlag parallel zum Fell liegen. Für Wirbel nimmt man grosse weiche Kesselpaukenschlägel. Gewirbelt wird am Rand, etwa eine Handbreite vom Rand entfernt. Für die Marschmusik ist ein harter Filzschlägel angebracht, denn hier sollte man die Trommel vor allem gut hören, ein schöner Klang kommt erst an zweiter Stelle. Für Spezialeffekte gibt es noch andere Möglichkeiten, z.B. Kleine Trommel-Schlägel oder Ruten. Das wird aber vorgeschrieben, und damit komme ich zur Notation: Die Grosse Trommel wird meist im Fünfliniensystem im Bassschlüssel auf der Höhe des c notiert. Eine andere Art ist das Einliniensystem. Sie ist bei Märschen häufig. Hier steht die Grosse Trommel aber meist nicht allein, sondern ist mit den Paarbecken gekoppelt. Das kann folgendermassen aussehen:

 

 

 

 

 

Zum Vergleich ein Beispiel aus der Konzertliteratur:

 

 

 

 

 

Damit die Stimme gut gespielt wird, ist es wichtig, dass der Spieler die Notenwerte einhält. Eine ideale Konzerttrommel hat höchstens einen Dämpfer auf der Resonanzfellseite, der nicht allzuviel dämpft. Das gibt dem Spieler die Möglichkeit, seinen Klang von Hand dann abzudämpfen, wenn der zu spielende Notenwert vorbei ist.

Dann erst macht der Instrumentalist MUSIK.