DAS KOMBINIERTE SCHLAGZEUG

 

Als Vorspann möchte ich gerne einen kurzen Überblick über die Geschichte des Jazz geben:

Im Jahre 1517 wurden die ersten afrikanischen Sklaven in die spanischen Kolonien Amerikas eingeführt. 1807 wurde der Sklavenhandel zwar offiziell verboten, er blieb aber im Schwarzhandel bestehen. Der Bedarf an Arbeitskräften auf den endlosen Baumwoll-feldern im Süden der USA war unendlich gross.

Die Afrikaner brachten ihre heimatlichen Tänze und Gesänge mit. Dort wo sich spanische und französische Einflüsse geltend machten, wie im Staate Louisiana, besonders aber in dessen Hauptstadt New Orleans am Mississippi, konnten sich die afrikanischen Tanz- und Musizierweisen unter den niederen Ständen der Schwarzen noch lange erhalten; nicht zuletzt auch durch den Zustrom karibischer und illegal importierter afrikanischer Schwarzer. Es waren Rhythmen ähnlich denen, die heute noch als Samba oder Rumba für die lateinamerikanischen Länder charakteristisch sind. Auf dem Congo Square in New Orleans begiengen die Sklaven an Sonn- und Feiertagen, an denen sie halbtags frei hatten, unter dumpfem Dröhnen der Bamboulas, wie die als Basstrommeln benutzten Tomtoms hiessen, ihre Tanzfestlichkeiten. Im amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 wurde das Treiben auf dem Congo Square eingestellt. In andem Staaten der USA hatten die weissen Sklavenhalter aus Angst vor Verschwörungen den Schwarzen schon vorher den Besitz von Trommeln verboten. Sie wollten damit verhindern, dass Aufstände in der Trommelsprache verabredet werden konnten. Die Sklaven mussten daher, wenn sie überhaupt musizieren wollten, Melodien und Instrumente der Weissen übernehmen. Es ist erstaunlich und für die Begabung der Schwarzen kennzeichnend, wie sie sich umstellen konnten. Man denke: Sie singen nicht nur die Lieder der Weissen, sondern machen alsbald selbst Lieder in amerikanischer Manier. Von den Weissen haben die Schwarzen die Dreiklangharmonik gelernt, die der afrikanischen Musik fremd ist.

Als Zusammenfassung möchte ich den amerikanischen Negerdichter James Weldon Johnson zitieren: "Der Neger brachte von Afrika seinen angebotenen musikalischen Instinkt und sein Talent mit, und das war kein geringes Kapital um anzufangen." Das angeborene Rhythmusgefühl der Schwarzen verband sich mit den volkstümlichen Melodien der USA und wurde zu einem eigenen Stil, dem Jazz.

 

Das kombinierte Schlagzeug bestand zuerst nur aus wenigen Instrumenten, etwa aus einer SNARE DRUM, einer BASS DRUM (eine eher kleine Grosse Trommel, welche mit dem rechten Fuss mit Hilfe eines Pedals gespielt wird), einem bis zwei TOMTOMS (ein- oder häufiger zweifellige Trommel) und dem HIHAT (kleine Paarbecken in horizontaler Lage, die mit dem linken Fuss gespielt werden).

 

Die Bass Drum hat einen dicken Kessel und gibt einen harten, trockenen Klang. Je nach Stil schwankt der Durchmesser zwischen 18 und 24 Zoll. Für ein durchschnittliches Blasmusikcorps ist ein 20“- oder ein 22"-Bass geeignet.

 

Tomtoms werden zu zweit auf einen Ständer oder auf die Bass Drum gehängt. Zweifellige Toms tönen voller als einfellige. Je nach Stil und Geschmack stimmt man sie etwas höher oder tiefer ein. Es ist aber keine bestimmte Tonhöhe erkennbar, nur die ungefähre Tonlage. Je nach Tonlage klingt ein Tom länger oder weniger lang nach.

 

Das Hihat wird wie erwähnt mit dem Fuss und natürlich mit Schlägeln gespielt. Das ergibt eine Vielfalt von Klangmöglichkeiten, je nach Stellung der beiden Becken, ob offen oder geschlossen, und der Anschlagart und -stelle der Schlägel.

Mit der Zeit wurde das Schlagzeug grösser, Hängebecken kamen dazu. Sinnvollerweise setzt man davon mindestens zwei ein: Ein Ride-Becken, bei dem man den Schlag gut hört und das man für durchgehende Rhythmen braucht, und ein Crash-Becken mit grossem Rauscheffekt für besondere Akzente. Weitere Becken sind das China-Becken mit dem nach aussen gewölbten Rand oder das kleine Splash-Becken.

Im Weiteren kam das Standtom dazu, der grössere Bruder der Hängetoms. Man stellt es rechts vom Spieler hin. Wie der Name sagt steht es auf eigenen Füssen.

 

Ein übertrieben ausgebautes Schlagzeug besteht aus sechs Hängetoms, zwei Standtoms und sechs bis neun Becken nebst Snare Drum, ein bis zwei Bass Drums und Hihat. Am faszinierendsten bleiben aber doch die Schlagzeuger, die mit den wenigsten Instrumenten die abwechslungsreichste Begleitung spielen.

 

Üblich für das Schlagzeug sind Sticks, also Kleine Trommel-Schlägel. Besen oder Ruten werden speziell verlangt.

 

 

Diese Noten stellen den Grundrhythmus eines modernen Sambas für das kombinierte Schlagzeug dar. Gewisse Platzierungen für die Notation einzelner Instrumente sind international festgelegt. Unterhalb des Notensystems wird die Bass Drum notiert. Die Snare-Stimme liegt im dritten Zwischenraum. Beckenschläge sind in Kreuzform vermerkt. Um sicher zu gehen, dass der Spieler die Beckenstimme nicht auf einem Hängebecken spielt, ist vermerkt, dass es sich um das Hihat handelt. Eingekreiste Noten bezeichnen die Toms, in unserem Beispiel wird das kleinste verlangt. Die grösseren Toms sind im Notensystem entsprechend weiter unten notiert.

 

Das obenstehende Notenbeispiel ist eine Schreibweise unter vielen. In jedem Fall muss der Schlagzeuger viel Fantasie und Stilkenntnisse mitbringen.

 

Wie kann ein Corps seinen Schlagzeuger am besten einsetzen? Weil die Grundlage des kombinierten Schlagzeugs die Kleine Trommel ist, kann man den Schlagzeuger auch als Konzerttrommler einsetzen. Bei moderner Literatur, sei es Jazz, Pop, südamerikanischer Musik oder Stücke im Discosound, ist der kombinierte Schlagzeuger das Fundament der ganzen Musik. Die anderen Schlagzeuger des Corps, diejenigen welche sonst Grosse Trommel und Becken spielen, können ihn mit Rhythmusinstrumenten unterstützen und die Musik bereichern.

 

Für Volksmusik (Märsche, Polka, Walzer ect.) reicht ein kombinierter Schlagzeuger bei personellen Engpässen sogar alleine aus. Mit Kleiner Trommel, Hängebecken und Bass Drum kann er im Notfall seine Kollegen ersetzen.