BASLER TROMMEL UND KLEINE TROMMEL
Die Enstehungsgeschichte der Kleinen Trommel ist über lange Zeit hin identisch mit derjenigen der Grossen Trommel. Deshalb ist mit der Besprechung der Grossen Trommel ein grosser Teil des Themas Kleine Trommel schon behandelt. Die Basler Trommel oder Wirbeltrommel - und das führt uns zur Bauweise - hat sich seit dem Mittelalter nicht stark verändert. Die Form blieb die gleiche: Ein Holzkörper mit ca. 40 cm Durchmesser und einer Höhe von 40 bis 60 cm, Holzreifen für die Fellhaltung, Seilspannung und diagonal über das Resonanzfell einen Darmsaitenteppich. Geändert hat sich das Material. Man benützt heute mehr Messing oder Kunststoff für den Körper, Plastik- oder Stoffelle statt Naturfelle, anstelle von Darmsaiten silber- oder kupferumsponnene Stahlfedem, einen Hebel um den Saitenteppich zu lösen und einen Dämpfer.
Bei uns schliessen sich meistens mehrere Trommler zusammen und bilden eine Tambourengruppe. Die grösste Aufgabe einer solchen ist die Marschmusik, daneben gibt es auch Literatur für Tambourengruppen. Tambouren haben eine eigene Notation, die Berger-Schrift, so benannt nach ihrem Erfinder Fritz Berger.

Die Noten stehen zur Hälfte oberhalb und unterhalb einer einzigen Linie, was anzeigt, mit welcher Hand gespielt wird. Dann kennen Tambouren eigene "Rufe", das sind bestimmte abgezählte Wirbelausschnitte oder fest abgemachte rhythmische Figuren. Der Nachteil dieser Notation ist, dass ein Tambour Noten lesen lernen muss, wenn er ein anderes Schlaginstrument spielen will (siehe Notenbeispiel).
Die Kleine Trommel oder Konzerttrommel hat einen Durchmesser von 356 mm (14 Zoll) und eine Höhe von 12 bis 16 cm. Die Zarge ist aus Holz, Messing, Kupfer oder Bronze. Die Kleine Trommel hat Dämpfer, einen Saitenteppich und eine Saitenabhebevorrichtung. Das Schlagfell ist meist dünn, das Resonanzfell noch dünner. Diese Bauweise ergibt ein Instrument, das sehr hoch, metallisch, mechanisch und scharf tönt. Die Kleine Trommel wurde zuerst nur als Effekt zur Darstellung kriegerischer Momente ins Orchester aufgenommen, hat sich aber später wegen ihrer Vielseitigkeit als vollwertiges Instrument etabliert. Wenn die Felle genug dünn sind, spricht der Saitenteppich schon im kleinsten Dynamikbereich an. Die kleine Dimension, die damit verbundene Starrheit der Felle und der übliche Gebrauch von unelastischen Holzschlägeln verhindern einen Nachklang. Deshalb eignet sich die Kleine Trommel gut für feine, schnelle Rhythmen und unterstützt oft die hohen Holzbläser in ihren Läufen. Andere wichtige Funktionen sind Begleitrhythmen oder grosse Steigerungen und Verdichtung einer massiven Tutti-Wirkung mit Hilfe des Wirbels. Notiert wird die Kleine Trommel meist im Sopranschlüssel beim c‘‘. Abweichungen davon sind: Gar keinen Schlüssel oder wie in Amerika im Bassschlüssel im dritten Zwischenraum.
In der Blasmusikszene kennt man eine Mischung zwischen der Basler und der Kleinen Trommel. Sie wird Marsch-Konzert-Trommel genannt. Sie liegt in der Höhe zwischen den beiden Trommeln und wird mit einem mitteldicken Fell bespannt. Leider liegt sie auch im KJang zwischen beiden: Sie hat weder den dumpfen, trockenen und gut tragenden Klang der Basler Trommel noch den hellen, klaren und deutlichen KJang der Kleinen Konzerttrommel. Deshalb ist sie keine ideale
Lösung, weil sie weder der einen noch der anderen Trommel gerecht wird. Man kauft sie meistens nur aus Kostengründen, weil man sie sowohl für die Marschmusik als auch im Konzert verwenden kann.
Die Haltung ist bei der Basler Trommel verschieden von derjenigen der Konzerttrommel. Tambouren haben sehr schwere und dicke Schlägel, denn nur damit spricht das Fell an. Sie halten sie fest in der Hand, die starr bleibt. Sie benützen das Handgelenk, den Unterarm und für lautes Schlagen den ganzen Arm. Jeder Schlag wird gespielt, der Wirbel besteht aus je zwei Schlägen, abwechslungsweise mit der linken und der rechten Hand. Damit das schnell geht, spielt man den ersten der zwei Schläge mit dem Unterarm und den zweiten mit dem Handgelenk. Die Schlägel für die Konzerttrommel sind wesentlich leichter und dünner und haben einen kleinen Kopf. Sie liegen locker in der Hand. Für den Wirbel wird der Rückschlag ausgenutzt, und der Schlägel braucht dazu Freiraum. Die Wirbelschläge sind also nicht abgezählt. Der Trommler muss selber merken, wenn ein Schlägel nicht mehr genug springt und er mit dem andem einsetzen muss. Im Gegensatz zum Tambour setzt der Konzerttrommler auch die Finger ein, um die Schlägel zu bewegen.
Die Schlussfolgerung für die Praxis ist also: Basler Trommel und Konzerttrommel sind zwei ganz verschiedene Instrumente. Die grössten Unterschiede bestehen in der musikalischen Funktion und in der Spielweise. Deshalb kann man die Spieler nicht beliebig austauschen.